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 — Artikel  —  — Zwei Stimmungsarten in einer Orgel  —
Sehr einfach lassen sich diese Schaltungen natürlich über eine elektrische Traktur mit Schleifenzugmagneten oder Motoren lösen.

Ich habe mich beim Bau von zwei Orgeln mit umschaltbaren Stimmungen für die dritte Möglichkeit entschieden. Die eine Orgel steht in Allstedt und hat 8 Register auf einem Manual. Die zweite Orgel steht in der alten Kirche in Dresden-Wilschdorf und hat 14 Register auf 2 Manualen und Pedal. Hier kann man Hauptwerk und Pedal mit einem Hebel zusammen umschalten und mit einem zweiten Hebel das Brustwerk, sodaß man evtl. auch die beiden Manuale gegeneinander spielen kann.

Welche Stimmungen lassen sich nun realisieren.
Wie in Standford so war es auch mein Wunsch, die mitteltönige Stimmung und eine wohltemperierte Stimmung in einer Orgel zu kombienieren, also die Hauptstimmungen des 17. und des 18. Jahrhunderts.

Da bei den 18 Pfeifen pro Oktave diese so wunderbar einfach und symmetrisch angeordnet werden können, sollten die Stimmungen auch klar und übersichtlich sein, und sich einfach "legen" lassen.
Nach einigen Überlegungen entschied ich mich für folgende Stimmungen:
Als in beiden Stimmungen gleichen Töne wurden C,D,E,G,A und H festgelegt. Die fünf Quinten zwischen diesen Tönen werden 1/5 pyth. Komma enger eingestimmt. Dabei braucht man
eigentlich keine Hilfsmittel, da die entstehenden Dur-Terzen C-E und G-H genau so schnell schweben wie die dazugehörigen Quinten, wir also bereits nach vier Quinten ein erstes Kontrollintervall erhalten. Dieser wunderbare Wohlklang der "Gleichschwebung" zwischen Terz und Quinte bei einem Dreiklang wird denen, die das ausprobiert haben, kennen und vielleicht sogar täglich an ihrem Cembalo praktizieren, bestens vertraut sein.
Damit sind nun die 6 gemeinsamen Töne in beiden Stimmungsarten gestimmt. (Man kann auch statt H das F als gemeinsamen Ton definieren und die H-Pfeifen doppelt bauen).
Für die mitteltönige Stimmung wird nun der Quintenzirkel mit reinen Terzen geschlossen. Für die wohltemperierte Stimmung wird der Quintenzirkel mit reinen Quinten geschlossen.
Das Stimmen ist dadurch denkbar einfach und viel leichter als z.B. eine gleichstufige bzw. gleichschwebende Stimmung zu legen.
Für die Mitteltönigkeit werden also das Cis als reine Terz zu A gestimmt, das Es zu G, das F ebenfalls als reine Terz zu A, das Fis zu D, das Gis zu E und das B ebenfalls als reine Terz zu D.
In der wohltemperierten Stimmung werden die sechs Quinten H-Fis-Cis-Gis-Es-B-F rein gestimmt. Die noch fehlende siebente Quinte F-C ergibt sich dann als reine Quinte.

Natürlich lassen sich auch andere Stimmungen kombinieren. So könnten auch zwei verschiedene wohltemperierte Stimmungen in einer Orgel sehr reizvoll sein. Man kann sich dabei viele und die verschiedenste Möglichkeiten ausdenken.
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