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Gedanken - Ziele - Wünsche
Restaurierungswerkstatt für Orgeln Kristian Wegscheider
Dresden, Dezember 1998



Warum bauen Sie heute Orgeln, die 100, 200, 300 oder sogar 400 Jahre alt sein könnten? Diese Frage wird mir oft gestellt, früher mehr, in letzter Zeit weniger.
Die Antwort war oft eine Gegenfrage: Warum wird heute Musik auf historischen Instrumenten bzw. ihren Nachbauten (Nachempfindungen) gespielt?
Oder: Warum baut man heute auch Häuser mit schiefen Wänden, setzt welliges Fensterglas ein, stattet Türen mit handgeschmiedeten Scharnieren und Schlössern aus?

Wenn man sich mit der Musik, mit der Orgelmusik der europäischen Tradition der letzten 400 Jahre beschäftigt, merkt man schnell, daß bestimmte Kompositionen zu bestimmten Instrumenten bzw. Intrumententypen passen und, was genauso zutrifft, bestimmte Instrumente ganz besonders zu einer bestimmten Literatur gehören.

Die Übereinstimmung von Raum, Prospekt, Orgelwerk und Komposition hat etwas faszinierendes. Doch nur selten haben wir heute eine solch vollkommene Einheit.
Aus der Geschichte wissen wir, daß sich die Räume länger halten als die Orgeln. Deshalb geht von den 4 Elementen zuerst der Raum "verloren".
Aus der Geschichte wissen wir, daß sich die Räume länger halten als die Orgeln. Deshalb geht von den 4 Elementen zuerst der Raum "verloren". Daß moderne Orgeln in ältere Räume gebaut werden, begleitet die Orgelkultur nun schon so lange sie existiert. Auch das 2. Element, die Kompositionen, gehen oft in Konzerten "verloren", daß heißt, es wird nicht die entsprechende (zeitgemäße) Literatur gespielt.
Auf beides habe ich als Orgelbauer keinen Einfluß. Beides kann aber auch sehr bereichernd sein, sehr interessant und besonders kunstvoll ausfallen.
Wir kennen die herrlichen Barockorgeln in den gotischen Kirchen, die klassizistischen Orgeln in Barockkirchen u.ä. Auch die modernen Kompositionen des 20. Jahrhunderts hinterlassen auf alten historischen Orgeln oft einen viel stärkeren Eindruck als auf den Orgeln der Mitte des 20. Jahrhunderts.
Und dennoch gibt es bei mir eine ständige Sehnsucht nach einer stilistischen Ganzheit.

Kunst entsteht bekanntlich nur in Grenzen. Je enger die Grenzen sind, je größer ist die künstlerische Herausforderung. Beschränkung ist nicht automatisch Bereicherung, kann es aber werden, wenn die Konzentration auf das Wesentliche wächst.

Lange habe ich überlegt, warum mir historische Orgeln, besonders der Renaissace-und Barockzeit aber auch der frühromatischen Periode so gut gefallen. Ich bin dem nachgegangen und habe gefunden, das die stilistische
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