zur Startseite
 — Artikel  —  — Gedanken – Ziele – Wünsche 1998  —
Geschlossenheit (Gehäuse, Klang, innerer Aufbau, Materialien, Verarbeitung) in Verbindung mit der zeitgemäßen evtl. sogar mit der regionalen Musik mich am stärksten berührt, ein inneres Wohlgefühl erzeugt, und Bewunderung auslöst.
Da ich die sogenannte alte Musik besonders gern höre, blieb mir als Orgelbauer zunächst nichts anderes übrig, als die alten Orgeln zu restaurieren, sie zu studieren und als Grundlage meiner neuen Instrumente zu wählen.

Die handwerkliche Tradition ist im 20. Jahrhundert weitgehend abgebrochen und verlorengegangen, nicht nur im Orgelbau. Seit ca. 30 Jahren wird im Instrumentenbau versucht, diese Lücke wieder zu schließen. In fast allen traditionellen Handwerken finden wir diese Tendenz.

Wie schafft man es, daß sich neue Instrumente wieder mit der Qualität der alten Orgeln messen können. Wie erreiche ich die schöne charmante Unschärfe, das "Schiefe" der historischen Orgeln, die große Intensität in einem Neubau. Man kann doch einem guten Handwerker nicht sagen, er soll etwas schief oder uneben bauen. Das haben die alten Meister doch wirklich nicht gewollt und das ist auch kein gesunder Weg.

Es gibt aber eine Möglichkeit, diesem Charme sehr nahe zu kommen, einen Trick, der lautet: Man muß die Perfektion anstreben, aber man wählt bewußt Mittel, mit denen man diese Perfektion nicht erreicht, (z.B. Handhobel statt Bandschleifmaschine).
Die Orgelbauer meiner Werkstatt haben sich längst die alten Handwerkstechniken zu eigen gemacht, denken in der barocken oder frühromantischen Art, bauen die einzelnen Teile in der entsprechenden Bauweise und Herstellungstechnik. Die meisten haben mich handwerklich längst überholt. Sie denken in Fuß-und Zollmaßen und kennen alle zeitgemäßen Holzverbindungen. Auch in den Pfeifenbau, in die richtige Materialauswahl und Materialbehandlung, in die regionalen und zeitlichen Besonderheiten haben sich meine Orgelbauer sehr genau hineingedacht.

Ein guter Chef zeichnet sich dadurch aus, daß er Mitarbeiter hat, die handwerklich besser sind, als er selbst. Seit ich diesen Leitsatz meines Vaters beherzige, läuft die Werkstatt viel besser. Die Führung und der Umgang mit selbstdenkenden klugen Mitarbeitern ist nicht immer einfach. Im kollegialen Miteinander soll diese Werkstatt meine, unsere Träume erfüllen, soll versuchen, an die großen Traditionen ganzheitlicher Orgeln wieder anzuknüpfen.

Harmonie zwischen Auge und Ohr, daß was ich von einer Orgel sehe, das will ich auch hören, nicht unbedingt in der gespielten Literatur, sondern im Klangbild der Orgel. Die Optik eines Instrumentes löst eine bestimmte Erwartungshaltung aus. Diese historisch geprägte Erwartungshaltung soll sich auch klanglich bestätigen.
Diese Grundprämisse möchte ich so konsequent wie möglich bei unseren Neubauten anwenden.
zur letzten Seite — 4 — — 5 — zur nächsten Seite
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25